In den ersten Monaten diesen Jahres hat sich die Coronavirus-Pandemie (COVID-19) wie ein Lauffeuer über die ganze Welt ausgebreitet und weltweit bereits über 9 Millionen infiziert und mehr als 470 000 Menschen getötet (Stand 23.06.2020). Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, war zeitweise über ein Drittel der Weltbevölkerung in irgendeiner Form zu Hause im „Lockdown“ und konnte sich nicht frei bewegen. In den meisten Ländern bedeutete dies Reisebeschränkungen, Selbstisolierung und die Schließung aller nicht systemrelevanten Geschäfte. Das hat auch zu einem drastischen Rückgang aller industriellen Aktivitäten, zu weniger Verkehr auf den Straßen und zu menschenleeren, öffentlichen Plätzen geführt. Der plötzliche Wandel unseres alltäglichen Verhaltens hat sich auf die Umwelt ausgewirkt und weltweit sowohl positive, wie negative Veränderungen ausgelöst.

Verringerung der Luftverschmutzung

Auch die von der NASA und der Europäischen Weltraumorganisation veröffentlichten Satelliten-Bilder zeigen eine markante Verringerung der Luftverschmutzung, insbesondere der Stickstoffdioxid-Emissionen (NO₂) NO₂ ist ein weit verbreiteter Luftschadstoff, der entsteht, wenn fossile Brennstoffe, wie Kohle, Benzin, Diesel, Öl und Gas, bei hohen Temperaturen verbrannt werden. Es wird häufig von Fahrzeugen, Kraftwerken und anderen Industrieanlagen freigesetzt. Die Messung der Emissionen verursacht durch NO₂ sind somit ein guter Indikator für die globale Wirtschaftstätigkeit.

Der Rückgang von NO₂ ist vor allem in dicht besiedelten Gebieten sichtbar, die aktuell unter Quarantäne stehen. Da die Fabriken eine Pause einlegen und die Menschen ihre Autos zu Hause lassen, ist weltweit ein deutlicher Rückgang der Emissionswerte zu beobachten. In vielen Großstädten ist die Luft so frisch und der Himmel so blau wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der stärkste Rückgang der Luftverschmutzung wurde in China festgestellt, nachdem das Land Ende Januar abgeriegelt wurde. Nach Angaben der Nasa wurden die Emissionswerte von NO₂ in Ost- und Zentralchina aufgrund der Abriegelung des Landes um bis zu 30% gesenkt.

 
karte der umweltverschmutzung über china

Chinas Abriegelung durch das Coronavirus hat in nur wenigen Wochen zu einer dramatischen NO2-Reduktion geführt und ist vom Weltraum aus gut sichtbar.  📷 von NASA-Erdbeobachtungsstation

Reduzierung der Treibhausgasemissionen

Doch die Änderung unseres Verhaltens während der Corona-Pandemie hat nicht nur die Luftverschmutzung verringert, sondern auch die Treibhausgasemissionen der Erde reduziert. Die Reduzierung der Luftverschmutzung hat direkte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen wirkt sich hingegen in erster Linie auf die Erdatmosphäre aus, indem weniger Wärme eingefangen wird. Kohlenstoffdioxid (CO₂) ist das primäre, menschengemachte Treibhausgas und ist hauptverantwortlich für die Klimaerwärmung. Während der COVID-19-Krise sind die CO₂-Emissionen, zeitgleich zu den Beschränkungen im Reiseverkehr und der Industrie, drastisch zurückgegangen. Laut einer Analyse von Marcus Ferdinand (ICIS) wird erwartet, dass die Treibhausgasemissionen infolge der Abriegelung durch das Coronavirus bis 2020 um ca. 24 Prozent sinken werden.

 
Ein nahezu verkehrsfreies Autobahnkreuz in Los Angeles.

Ein nahezu verkehrsfreies Autobahnkreuz in Los Angeles. Die verkehrsbedingten Emissionen von CO₂ sind deutlich zurückgegangen, da sich die Menschen während der COVID-19 größtenteils an die Empfehlungen der Experten halten. 📷 von Denys NevozhaiUnsplash

 

Verbesserte Wasserqualität

Während der Rückgang der Luftverschmutzung nach den COVID-19-Beschränkungen wissenschaftlich erwiesen ist, sind die Auswirkungen der Pandemie auf unser Wasser weitgehend unklar geblieben. In neueren Studien deuten Untersuchungen auf einen starken Zusammenhang zwischen Luft- und Wasserqualität hin und weisen darauf hin, dass die Verringerung der Luftverschmutzung voraussichtlich zu einer verbesserten Wasserqualität führen wird. In Übereinstimmung mit dieser Überzeugung ergab eine Studie, die am Vembanad-See, dem längsten Süßwassersee Indiens, durchgeführt wurde, dass die Konzentration der in der Luft verteilten Schadstoffe im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie um etwa 16% abgenommen hat.

Neben der potenziell verbesserten Wasserqualität steht das sichtbar klarere Wasser in direktem Zusammenhang mit den Sperrungen durch die Pandemie – am bekanntesten in Venedig. Während des italienischen COVID-19-Lockdowns haben die Abwesenheit von Touristen und der fehlende Bootsverkehr dazu geführt, dass die Kanäle Venedigs wieder klar geworden sind. Das normalerweise trübe Wasser hat sich so weit aufgeklärt, dass in den berühmten Wasserstraßen der Stadt jetzt Fische zu sehen sind. Diese Entwicklung ist jedoch nicht unbedingt das Ergebnis einer geringeren Verschmutzung, sondern vielmehr eine Auswirkung des reduzierten Bootsverkehrs. Das Sediment liegt nun ungestört auf dem Grund der Kanäle, anstatt im Wasser umgewälzt zu werden.

Wunderschön klares Wasser in einem Kanal von Venedig als Folge des reduzierten Bootsverkehrs nach der Sperrung des Landes durch das Coronavirus. 📷 von Andrea Pattaro / AFP

 

Wilde Tiere auf dem Weg in die Stadt

Da immer mehr Länder vom „Lockdown“ betroffen sind und die menschliche Bevölkerung sich immer weiter isoliert, um die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen, wurden weltweit Sichtungen von Wildtieren beobachtet. Sie erkunden die leeren Straßen oder kehren an ungenutzte Küstenregionen zurück. Ziegen in Wales, Affen in Thailand, Rehe in Japan, Kojoten in San Francisco, Pumas in Chile, Wildschweine in Sardinien, Orcas in Kanada, Jaguare in Mexiko und Waschbären in Panama. Da es keine Menschen gibt, erkunden die Tiere, die normalerweise am Rande von Großstädten und in den Vorstädten lauern, nun städtische Gebiete auf der Suche nach Nahrung oder einfach nur aus Neugierde.

 
Eine Weltkarte, die anzeigt, wo welche Tiere gesichtet wurden.

Tiere wurden beim Betreten städtischer Gebiete beobachtet, da sich die Menschen während des COVID-19-Ausbruchs zu Hause isolieren.
📷 von verschiedenen: Bergziegen (Andrew Stuart / Twitter), Orcas (Jared Towers / dailyhive), Kojoten (manishkumar457 / Twitter), Kojoten (manishkumar457 / Twitter), Jaguar (Uriel Soberanes / Unsplash), Waschbär (Jp Valery / Unsplash), Puma (Francisco Castillo /Agencia UNO), Hirsche (okadennis / Twitter), Wildschweine (taylorswifh / tumblr), Affen (Soe Zeya Tun/Reuters)

Rückgang der Erdschwingungen

Weniger menschliche Aktivitäten nach den COVID-19-Sperrungen rund um den Globus haben die Vibrationen der oberen Erdkruste, die als seismisches Rauschen bezeichnet werden, verringert. Da während der Pandemie weniger Autos, Züge, Busse und Maschinen in Betrieb sind, vibriert die Erde weniger stark als zu Zeiten, als wir in normalem Tempo durch unsere Tage gingen. Auf dieses Phänomen wiesen zunächst Seismologen des Königlichen Observatoriums in Belgien hin, die feststellten, dass der seismische Lärmpegel in Brüssel um 30 bis 50 % gesunken ist, nachdem die Stadt Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung eingeleitet hatte. Ähnliche Beobachtungen wurden später von Seismologen auf der ganzen Welt gemacht. Mit weniger Lärm durch menschliche Aktivitäten sind die Seismologen in der Lage, kleinere Erdbeben zu erkennen und genauer zu messen, die unter normalen Umständen nicht einmal von seismischen Stationen registriert würden.

 
Bild aus dem Weltraum

Die obere Erdkruste ist während der COVID-19-Sperrungen verstummt, da sie weniger Lärm durch menschliche Aktivitäten erhält. 📷 von der NASA / Unsplash

Höherer Verbrauch von Plastik und dadurch mehr Plastikmüll

Bedenken hinsichtlich der Hygiene und die Angst vor einer Verunreinigung durch COVID-19 haben weltweit zu einem Anstieg des Verbrauchs von Einwegkunststoff geführt. Die schützenden und hygienischen Eigenschaften von Kunststoffen wirken auf viele Menschen wie ein Stück Sicherheit während der Pandemie und die Einwegverpackung ist dadurch wieder zu einem Verkaufsargument geworden. Da Gesundheitsfragen für die Verbraucher oberste Priorität haben, geben Unternehmen ihre Nachhaltigkeitspolitik auf und wenden sich wieder Einwegkunststoffen zu. Während des Ausbruchs haben Einweg-Plastiktüten ein Comeback erlebt, mehrere Cafe-Ketten akzeptieren keine wiederverwendbaren Becher mehr, und die Nachfrage nach mit Plastik umhüllten Lebensmitteln, Plastik-Wasserflaschen, Einweg-Plastikhandschuhen und anderen Einwegartikeln aus Plastik ist gestiegen. Darüber hinaus sind während der Pandemie Berge von Einwegplastik in Form von medizinischem Abfall entstanden. Die unglückliche Folge dieser Entwicklung ist die Zunahme von Kunststoffabfällen, von denen ein Großteil schwer zu recyceln ist, sich nicht für das Recycling eignet oder einfach nicht wirtschaftlich wertvoll ist.

 
Kunststoffumhüllte Tomaten

Einwegkunststoffe haben während der COVID-19-Pandemie aufgrund ihrer schützenden und hygienischen Eigenschaften an Popularität gewonnen.

 

Zunahme von antibakteriellen Chemikalien in der Umwelt

Eine der Empfehlungen zur Vermeidung der Ausbreitung von COVID-19 lautet, sich regelmäßig die Hände mit Wasser und Seife oder mit Handdesinfektionsmitteln zu waschen. Als Alternative zu Seife für unterwegs sind die Verkäufe von Handdesinfektionsmitteln weltweit in die Höhe geschossen. Handdesinfektionsmittel in Form von Gels, Sprays und Tüchern wurden während der Pandemie plötzlich zur Luxusware. Handdesinfektionsmittel in Form von Gels, Sprays und Tüchern wurden während der Pandemie plötzlich zur Luxusware. Obwohl Desinfektionsmittel wirksam gegen die Virusverbreitung sind, enthalten viele von ihnen umweltschädliche Chemikalien wie Triclocarban und Triclosan. Es wurde festgestellt, dass diese durch den Filterprozess in Kläranlagen durchschlüpfen, in natürliche Wasserläufe gelangen und sich in der Umwelt anreichern. Beide Chemikalien wirken als endokrine Disruptoren, stören in geringen Konzentrationen das Hormonsystem von Fischen und Tieren und verursachen bei einigen Arten eine Vielzahl von Gesundheits- und Verhaltensproblemen. Die antibakteriellen Zusatzstoffe haben auch das Potential, antibiotikaresistente Bakterien zu erzeugen, die möglicherweise langfristige gesundheitliche Auswirkungen sowohl für Tiere als auch für Menschen haben. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass Triclosan Algen daran hindert, die Photosynthese effizient durchzuführen. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass Triclosan Algen daran hindert, die Photosynthese effizient durchzuführen. Bei einer massiven Zunahme der Verwendung solcher Produkte auf globaler Ebene kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass mehr Triclocarban und Triclosan in die Umwelt gelangt und dass wir Ökosysteme und langfristig möglicherweise auch uns selbst belasten.

 

Der Verkauf von Handdesinfektionsmitteln ist während des COVID-19-Ausbruchs rund um den Globus in die Höhe geschossen. 📷 von Noah / Unsplash

Die drastische Veränderung des menschlichen Verhaltens während der COVID-19-Pandemie hat sich eindeutig auf unsere Umwelt ausgewirkt. Einige der Veränderungen sind positiv und einige verursachen potenziell negative, kurz- und langfristige Auswirkungen. Während die positiven Auswirkungen des Coronavirus als vorübergehend betrachtet werden, geben uns die Veränderungen wertvolle Einsichten, wie wir die Klimakrise verlangsamen könnten, wenn wir ihr Priorität einräumen würden. Es bleibt zu hoffen, dass die positiven Auswirkungen des Virus Unternehmen und Regierungen dazu inspirieren werden, nachhaltigere Praktiken einzuführen, um dauerhafte Umweltveränderungen vorzunehmen. Durch die Entwicklung nachhaltiger Lösungen für künftige Pandemien können wir auch Lehren aus den negativen Auswirkungen des Virus ziehen.

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